Es war einmal in Hollywood von Quentin Tarantino

Buchbesprechung, Rezension zu Es war einmal in Hollywood von Quentin Tarantino

Es gibt Buchverfilmungen aber es gibt auch “Es war einmal in Hollywood” von Quentin Tarantino. Hier halten wir das erweiterte Buch zum Film in der Hand und zwar vom Regisseur selber!

Tarantino ist bekannt für sein skurrilen, drastischen und durchaus verstörenden Filme und ich bin bekennender Fan. Als ich dann gehört habe, dass es ein Buch passend zu dem Film geben würde, da wusste ich sofort: Das muss ich haben.

Danke an Kiepenheuer & Witsch für das Leseexemplar, danke für das Kopfkino und für das wunderschöne Buch. Aber kann die Story auch was?

Kann Tarantino als Autor das halten, was er als Regisseur kann? Kann er mich als Leser begeistern mit der Geschichte rund um den alternden Westerndarsteller und seinem Stuntman? Erfahre ich mehr, als es im Film gab?

Das waren alles Fragen, die mich im Vorfeld beschäftigt haben… Ich fange mal mit der Tatsache an, dass ich während des Lesens immer wieder Sequenzen aus dem Film vor Augen hatte, denn sie kommen genau so vor und die beiden Hauptdarsteller waren bei mir ständig präsent (Brad Pitt und Leonardo di Caprio) und für mich persönlich war das kein Nachteil…

Schreiben kann Taratino, dass beweist er schon in seinen Filmen mit den Dialogen, die er für seine Protagonisten entwirft. Die Sprache ist am ehesten als typisch zu bezeichnen. Angepasst an die Sprachweise und an die Zeit finden wir für heutige Tage herrlich unkorrekte Aussagen, die uns als Leser aber den Zeitgeist perfekt vor Augen führen.

Tarantino wählt als Erzähler die allwissende Stimme aus dem Off, was zu erwarten war, denn es entspricht doch dem am ehesten, was er auch als Regisseur macht. Erstaunlich fand ich, dass die Hauptstory im Präsenz geschrieben ist, was mich normalerweise ins Stocken bringt, hier aber hervorragend passt. Es gibt viele Exkurse und Abschweifungen während der Geschichte und zwar in die Vergangenheit und auch in die Zukunft,  wodurch sich die Zeiten ändern und auch die Erzählweise.

Zur Story an sich:
Gemächlich steigen wir in die Geschichte ein mit einem Gespräche bei einem Agenten von Rick Dalton und erfahren von Filmen, Biersorten, Zigaretten, Vorlieben und Ereignissen – es ist fast schon ein wenig langweilig.
Im Buch wird den beiden Hauptprotagonisten generell  viel Zeit und Platz gewidmet, was ihnen viel mehr Tiefe und Charakter gibt, als es im Film möglich war. Vor allem Stuntdouble und Laufbursche Cliff bekommt während seiner Abschnitte eine ungeahnte Schärfe, was ihm eine besondere Stellung innerhalb der Geschichte verleiht.  Was nicht zu letzt an seinen Taten liegt, egal ob als Kriegsheld oder als Mörder.
Allerdings nimmt Tarantino im Buch Charles Manson und seiner Familie den “großen Auftritt”.   Es gibt Fakten, Andeutungen, Begegnungen, aber insgesamt wird diesem Teil sehr wenig Platz eingeräumt und mir fehlt, dass Manson ein Psychopath war, was ich persönlich schade finde.

Das Buch ist angelehnt an den Film und man findet Sequenzen, die genau so im Film waren und doch ist das Buch völlig anders. Es ist etwas sperriger und ausführlicher.

Im Ganzen würde ich sagen, dass wir hier die Geschichte erzählt bekommen von zwei alternden Männern und Ihren Erlebnissen im Laufe des Lebens. Dazu kommen die Randfiguren, die mit ihnen zusammen treffen und die dadurch zur Geschichte beitragen. Ein wenig Lebensgeschichte, ein wenig Abenteuerroman, ein wenig Drama mit politisch unkorrektem Jargon plus eine Prise Freizügigkeit. All das befindet sich zwischen den beiden Deckeln.

Mir hat das Buch gefallen auch wegen des anderen Endes als im Film und daher kann ich “Es war einmal in Hollywood” von Quentin Tarantino absolut weiter empfehlen.

Buchinformationen:
Buchbesprechung, Rezension zu Es war einmal in Hollywood von Quentin Tarantino

(c) Kiepenheuer & Witsch

Los Angeles, Hollywood 1969
RICK DALTON – Einst der Star seiner eigenen Fernsehserie, ist er heute ein abgewrackter Schurke, der seine Sorgen in Whiskey Sours ertränkt. Wird ein Anruf aus Rom sein Schicksal retten oder es besiegeln?
CLIFF BOOTH – Ricks Stuntdouble und der berüchtigtste Mann an jedem Filmset, weil er der Einzige ist, der mit einem Mord davongekommen sein könnte…
SHARON TATE – Sie verließ Texas, um dem Traum von Hollywood nachzujagen – mit Erfolg. Sie lebt jetzt unbeschwert hoch in den Hollywood Hills.
CHARLES MANSON – Ein Haufen Hippies hält den Ex-Knacki für ihren spirituellen Führer, aber er würde alles dafür geben, ein Rock ‘n’ Roll-Star zu sein.

(c) Kiwi-Verlag

Titel: Es war einmal in Hollywood
Autor: Quentin Tarantino
Verlag: Kiepenheuer & Witsch GmbH
Erscheinungsdatum: 08.07.21
Hardcover, 410 Seiten
Auch als EBook erhältlich

ISBN: 3462002287
EAN: 9783462002287
Roman.
Originaltitel: Once Upon A Time in Hollywood.
Übersetzung von Thomas Melle u. Stephan Kleiner

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18/08/2021 17:39

Huhu meine Feine, bei meinem letzten Kommentar wollte ich eigentlich zu dir und blieb dann bei Tanja hängen XD

Das erweiterte Buch? Ich wusste gar nicht das es so etwas zu dem Film gibt, aber sowas reizt mich selten. Dass es dich trotz des Schauens des Films noch packen konnte freut mich (= Auch wenn Handlungen und der Ausgang anders sind als im Film, so werde ich nicht zum Buch greifen, mein RuB dankt es dir hehe

Muckelige Grüße!