365 Tage von Blanka Lipińska

365 Tage – ein Film, der 2020 auf Netflix gehyped wurde. Doch die wenigsten wussten, dass es auf einen Roman basierte. Einem polnischen Roman, der nach dem Hype (endlich) übersetzt wurde. Doch kann das Buch wirklich was?
Ich gestehe, dass ich den Film nicht gesehen habe und ziemlich neutral an das Buch heran gegangen bin.

Zu der Handlung selbst, mag ich nun nicht sonderlich ins Detail gehen, denn faktisch ist sie bar jedweder Logik oder Vernunft.

Klar, ich habe keine hohe Literatur erwartet und doch war ich überrascht.
Wer FSOG schon fadenscheinig hielt und Ana verflucht hat, wird Laura gleich zum Mond schießen. Klar, sie ist nun keine unbedarfte, naive kleine Jungfrau. Aber ihr Gebaren ist nun auch nicht zwingend erwachsener. Von den rund 400 Seiten ist sie gefühlt 200 – 300 Seiten volltrunken, angetrunken oder schwelgt im Modehimmel. Hier werden alle nur erdenklichen Designer und Modegötter über den Platz gejagt – sei es Versace, Gucci oder wer auch immer. Hauptsache teuer, teuer ach ja und teuer. Jedes Fitzelchen Kleidung wird bis ins letzte Fädchen genau beschrieben *neeeeerv*. Okay, hier mal ein Punkt, den ich ganz annehmbar und interessant fand, denn Laura zeigt zu Anfang doch ihre Zähne und bietet dem ach so großen Don Massimo angelegentlich Paroli – aber das ist auch nur eher ein kurzes Gastspiel.

Zurück zum Alkohol. Laura wird kurz nach der Entführung als schwer Herzkrank beschrieben, ist ungefähr so belastbar wie eine alte Dame, fällt immerzu in Ohnmacht (da sind meine Ladies aus den Nackenbeißern robuster!) und doch trifft man sie nonstop mit einem alkoholischen Getränk an. Champagner zum Frühstück, Sekt, Wein und auch härtere Sachen. Wo andere Menschen zum Kaffee greifen, langt sie zur Flasche. Aber Respekt, Madame Promille schafft es auch im Vollrausch auf Highheels umher zu rennen und sogar an der Pole zu tanzen – andere Menschen liegen da schon komatös in der Ecke oder brechen sich da den Hals. Ob das an den polnischen Genen liegt? Achtung: Klischee inc.

Aber auch Massimo ist nicht viel besser. Er wirkt auf mich wie ein kleiner verzogener Junge mit Murmelschaden…der zu viel Viagra gefressen hat. Ein Junge, der immer seinen Willen bekommt, jeden erschießt oder anderweitig um die Ecke bringt, der nicht nach seiner Nase tanzt, Frauen schikaniert, missbraucht und demütigt und tja, eine Libido Marke Duracell hat. Himmel, so viel wie der gute pimpern will,…naja lassen wir das.

Alles in allem ist 365 Tage für mich wie ein bunter, überzuckerter Cocktail aus:

  • FSOG
  • Reich und Schön
  • Stockholm-Syndrom
  • richtig schlechten Groschenromanen
  • Modezeitschrift
  • Spirituosen-Regal

Sprich ein Buch, das eigentlich ziemlich wirr, aber irgendwie doch wie ein Autounfall ist. Eigentlich kann man die Figuren nicht leiden, findet sie nicht sonderlich sympathisch und auch die Handlung ist so extrem an den Haaren herbeigezogen….und dennoch kann man es nicht aus der Hand legen und ist gespannt welchen Wahnwitz die Autorin als nächstes aus der Handtasche zieht.

Von mir huldvolle 2-3 von 5 Sternchen.

Hotelmanagerin Laura fährt mit Freunden nach Sizilien. Sie will dort ihren Geburtstag feiern und hofft, dass auch ihr Freund Martin im Urlaub endlich mehr Zeit für sie haben wird. Doch es kommt ganz anders: Nach einem heftigen Streit verlässt Laura wutentbrannt das Hotel – und begegnet Don Massimo Torricelli. Der attraktive, junge Don ist das Oberhaupt einer der mächtigsten Mafia-Familien Siziliens und gewohnt zu bekommen, was er will. Und Massimo will Laura. Er entführt sie in seine luxuriöse Villa und macht ihr ein Angebot: 365 Tage soll sie bei ihm bleiben, wenn sie sich bis dahin nicht in ihn verliebt hat, wird er sie gehen lassen. Massimo ist siegessicher, doch er hat nicht mit der selbstbewussten Laura gerechnet …

Blanvalet Taschenbuch Verlag
Deutsche Erstausgabe Edition (28. Dezember 2020)
Broschiert ‏ : ‎ 400 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3734110513
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3734110511
Originaltitel ‏ : ‎ 365 dni

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04/07/2021 15:46

Hallo Tii,
mit drei von fünf Sternchen warst Du wirklich sehr gnädig mit dem Buch. Selbst wenn ich die unfreiwillige Komik mit einrechne (das Buch hat mich tatsächlich zum Lachen gebracht, das war aber sicher nicht so beabsichtigt), bleibt es ein kompletter Reinfall. Deine Auflistung, woraus der 365 Tage Cocktail zusammengesetzt ist, trifft es wirklich genau 😉
Wirst Du Dich mit Band 2 und vielleicht auch noch mit Band 3 beschäftigen? Für mich ist das Experiment beendet, aber ich würde schon gerne verfolgen, wenn sich jemand anders bis zum bitteren Ende durch-liest.
Liebe Grüße
Gabi

05/07/2021 13:33
Reply to  Gabi

Hi!

Gabi, wer ist hier dann die Masochistin, hmm? Diejenige, die es liest, oder diejenige, die andere dazu anstiftet, es zu lesen?

Tanni, deine Rezi trifft’s trotz der huldvollen drei Sterne ziemlich gut, inklusive dem Wahnwitz. Ich hab mich irgendwann auch bei dem Gefühl ertappt, deswegen weiterzulesen, um herauszufinden, wie viel schlechter das Ganze noch werden kann …

Meine Rezi kommt bald, versprochen.

Liebe Grüße
Ascari