The Chemist von Stephenie Meyers

Das Jahr 2020 steht ganz im Sinne der Exkursionen Jenseits der Komfortzone.
Schon vor einer ganzen Weile hatte mir Anja “The Chemist” von Stephanie Meyers geliehen mit den Worten “Lesenswert!”. Aber irgendwie kam immer wieder ein anderes Buch und eine andere Leselaune dazwischen. Doch nun war es also an der Zeit und ich habe mich an den Thriller getraut…

Sie hat für eine geheime Spezialeinheit der US-Regierung als Verhörspezialistin gearbeitet. Sie weiß Dinge. Zu viele Dinge. Deshalb wird sie jetzt selbst gejagt, bleibt nie länger an einem Ort, wechselt ständig Name und Aussehen. Drei Anschläge hat sie knapp überlebt. Die einzige Person, der sie vertraut hat, wurde umgebracht.
Doch jetzt hat sie die Chance, wieder ein normales Leben zu führen. Dafür soll sie einen letzten Auftrag ausführen. Was sie dabei herausfindet, bringt sie jedoch in noch größere Gefahr, macht sie verwundbar. Denn zum ersten Mal in ihrem Leben gibt es einen Mann an ihrer Seite, der ihr wirklich etwas bedeutet. Und sie muss alles dafür tun, damit sie beide am Leben bleiben – mit ihren ganz eigenen Mitteln …

Stephenie Meyers ist vielen durch ihre Twilight-Reihe um Edward und Bella ein Begriff. Doch mit THE CHEMIST nimmt sie eindeutig Abstand von Teenagern, Glitzervampiren und Werwölfen und katapultiert den Leser in eine düstere, blutige Halbwelt, die dichter an der unseren liegt als man denkt.
Einer Welt in der Auftragsmorde und Folter zum guten Ton und Wahrheit und Lüge nur eine Frage der Perspektive sind. Eine Welt der Geheimhaltung, dunklen Geheimnisse und Machtspiele im Verborgenen.

Wir lernen Alex kennen. Eine Frau mit vielen Namen, zahllosen Talenten und möglichst durchschnittlichen Gesichtern. Eine Frau, die auf der Abschussliste ihren ehemaligen Arbeitgebers steht. Einem Arbeitgeber in dessen Auftrag sie Informationen “beschafft” hat; als Spezialistin für Verhöre und naja…sagen wir unblutiger Folter. Doch irgendeine dieser Informationen war wohl eine zu viel und so beschloss die Chefetage auf Alexs Dienste fortan zu verzichten und mehr als nur die Zusammenarbeit zu beenden.

Seither ist Alex immerzu auf der Flucht, schleicht von einem Versteck zum nächsten immer mit einem dreifachen Blick über die Schulter. Als sie das Angebot erhält ein letztes Mal fürs Dezernat zu arbeiten und so zu helfen Millionen Leben zu retten unter der Auflage, dass man sie danach vergessen würde…ist die Versuchung groß.
Kann sie diesem Braten trauen und so ihre Freiheit erlangen oder verbirgt sich hinter diesem Auftrag eine tödliche Falle?

SPOILERALARM!

Es ist die Urmutter der Fallen und übersteigt jedwede Vorstellungen. Sie zieht Alex in einen Sumpf weiterer Intrigen, Lügen und Machtkämpfe, die selbst den Verstand von Alex zu übersteigen droht.

Ich gestehe, dass ich eher skeptisch an dieses Buch heran gegangen bin.
1. bin ich (bekanntlich) ein Weichei und nicht so für Thriller geschaffen
2. würde die Autorin den Sprung von Jugend-Fantasy zu Spionage-Thriller schaffen?
Doch meine Bedenken waren gänzlich unbegründet. Frei von überzogenen Splatter und Blutbädern erzählt Meyers ausgesprochen fesselnd und authentisch eine Spionagegeschichte, die mich in ihren Bann zog. Ihre Heldin ist zwar clever, schlau und begabt, aber nicht Super-Woman. Alex ist verletzlich (auch wörtlich!) und gepeinigt von Ängsten, sozialen und emotionalen Defiziten. Sie ist kein Bond-Girl mit wallender Mähne und einem Traumkörper, sondern eher eine Labormaus und optisch eher unscheinbar. Sie ist pragmatisch, besonnen und will einfach nur (über)leben.
Ein Überlebenskampf in den sie von Dritten gezwungen wurde und sehnt sich nach banaler, schlichter Normalität und Frieden.

Die Geschichte ist nicht überladen (auch wenn das Fachchinesisch über ihre Chemie und Waffen  einen schon mal schwindeln lassen kann) und wird durch zynische und zuweilen sarkastische Dialoge aufgelockert.

Mein persönlicher Held ist Einstein!

Ach ja, durch die Verbindung zwischen Alex und Daniel würde ich das ganze sogar fast zum Lady-Thrill erklären…nur eindeutig weit weniger schmalzig!

Kurz und bündig ein Thriller ganz nach meinem Geschmack. Spannung, emotionale Entwicklung, Rätsel, spitzer Humor und kein unnötiges Gesplatter – KLARE LESEEMPFEHLUNG!

5 von 5 Spritzen für “The Chemist” von Stephanie Meyers

Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
Verlag: FISCHER Scherz; Auflage: 1. (8. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3651025500
ISBN-13: 978-3651025509

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