Wir verlassenen Kinder von Lucia Leidenfrost

Rezension, Kurzmeinung zu Wir vergessenen Kinder von Lucia Leidenfrost

Das Buch ist aus dem Hause Kremayr & Scheriau. Einem Verlag aus Wien, der mich bereits mit dem Buch Die Hinrichtung des Martin P. von Klaus Oppitz begeistern konnte und auch mit diesem Titel „Wir verlassenen Kinder“ von Lucia Leidenfrost wieder meine Neugier geweckt hat. Diesmal sofort über die Gestaltung und über den Klappentext. Es erinnerte mich an eine Mischung aus einer möglichen Dystopie und einer wirklich dramatischen Geschichte, in der alle Erwachsenen ein Dorf verlassen und die Kinder dort zurück lassen.
Warum und ob es dauerhaft sein soll, das war mir nicht klar, aber meine Neugier war geweckt. Eure auch?
Dann folgt mir doch in ein kleines Dorf, an einem nicht näher benannten Ort…

Ein abgeschiedenes Dorf. Leere Bauernhöfe. Eine aufgelassene Schule. Die Erwachsenen haben nach und nach das Dorf verlassen. Zurückgeblieben sind die Kinder. Sie empfangen Pakete und Geld. Sie kochen, putzen und pflegen die Großeltern und kleinen Geschwister. Scheinbar soll Krieg herrschen rundherum. Als auch der einzige Lehrer das Dorf verlässt, beginnen die Kinder, ihre eigenen Gesetze und Regeln aufzustellen. Was harmlos beginnt, wird rasch zu einem System aus Gewalt und Macht, dem sich alle zu unterwerfen haben. Nur Mila will sich nicht beugen und wird zur Außenseiterin, die bis zum Ende für das Gute kämpft.

(c) Kremayr & Scheriau

Als wir als Leser das Dorf betreten wissen wir, dass die meisten Erwachsenen das Dorf bereits verlassen haben. Wir erleben die Verabschiedung der letzten Eltern direkt mit und es kommt unmittelbar eine merkwürdige Grundstimmung auf.

Man fragt sich, warum gehen Sie? Warum bleiben die „Alten“ da? Sollen Sie sich um die Kinder kümmern?
Zu Beginn besteht noch ein telefonischer Kontakt über den Bürgermeister des Dorfes zwischen den Kindern und deren Eltern. Es gibt Pakete, es gibt Geld und aufmunternde Worte am Telefon. Aber all das verschwindet im Laufe der Zeit…und aus den Kindern im Dorf wird eine konforme Masse, die die Grenzen mehr und mehr austestet.

Distanziert beschreibt Lucia Leidenfrost eine Entwicklung in dem Dorf, die erschreckend und düster ist. Diese Distanziertheit verschafft uns als Leser den Eindruck, dass es durchaus so geschehen sein könnte oder gerade geschieht und ist hier ein Stilmittel, die Situation nüchterner zu bewerten.
Auf Grund der verschiedenen Blickwinkel, aus denen die Geschichte erzählt wird, verschmilzt es zu einem Ganzen und doch gibt es nicht auf alles eine Antwort. Wir als Leser werden herausgefordert uns eigene Gedanken zu machen:

Wo sind wir?
Was passiert zu dieser Zeit?
Gibt es wirklich „den Konflikt“?
Warum sind die Eltern wirklich gegangen?

Ich habe in diesem Dorf gelebt und erlebt was dort passiert ist und kopfschüttelnd die Entwicklung betrachtet, besonders als über Rückblenden einige Dinge aufgeklärt werden, die mich sprachlos zurück gelassen haben.

Für mich ist „Wir verlassenen Kinder“ von Lucia Leidenfrost ein beeindruckendes Leseerlebnis gewesen, dass auch nach der Beendigung nachgewirkt hat.
Klare Leseempfehlung und ein Appell, dass Kinder die Aufmerksamkeit und Liebe der Eltern brauchen!

Neugierig geworden? Dann könnt Ihr gerne einen Blick in die Leseprobe werfen.

Vielen Dank an Buch Contact und den Verlag für das Leseexemplar.

Hier findet Ihr noch weitere Meinungen zum Buch:

MonerlS bunte Welt

Buchinformationen:
Rezension, Kurzmeinung zu Wir vergessenen Kinder von Lucia Leidenfrost

(C) Kremayr & Scheriau

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Kremayr & Scheriau
Erscheinungsdaatum: 04.02.20
ISBN-10: 3218012082
ISBN-13: 978-3218012089
auch als EBook erhältlich

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Ich freue mich, dass auch dich dieses Buch so begeistern konnte! Es ist erfrischend anders und ich bin sehr froh darüber, dass Autor*innen es immer noch wagen, etwas zu schreiben, dass aus dem Rahmen fällt.
Es hat auch mich sehr beängstigt, wie sich das Dorf weiter entwickelt hat und was dabei so alles ans Licht gekommen ist, auch wenn nicht alle Fragen geklärt werden.
Danke für die Verlinkung!
GlG, monerl