Die Kakerlake von Ian McEwan

Rezension, Buchbesprechung zu „Die Kakerlake“ von Ian McEwan

Es gibt Bücher, da hört man den Titel und denkt sich: was möchte mir der Autor denn damit sagen?
So ist es mir mit „Die Kakerlake“ von Ian McEwan ergangen. Möchte er über das Leben einer Kakerlake schreiben? Will er mir erklären, warum eine Kakerlake viel widerstandsfähiger ist als der Mensch? Will er etwas von Schwarmintelligenz erzählen?

Nein und doch ja – aber es ist so anders als man denkt. Und man kann die aktuelle Situation, die im britischen Parlament herrscht hervorragend in diesem Buch wieder finden, bis auf die Sache mit den Kakerlaken.
Wobei… wer weiß es was in den Köpfen/Körpern der Menschen vorgeht?

Jim Sams hat eine Verwandlung durchgemacht. In seinem früheren Leben wurde er entweder ignoriert oder gehasst, doch jetzt ist er auf einmal der mächtigste Mann Großbritanniens – und seine Mission ist es, den Willen des Volkes in die Tat umzusetzen. Er ist wild entschlossen, sich von nichts und niemandem aufhalten zu lassen: weder von der Opposition noch von den Abweichlern in seiner eigenen Partei. Und erst recht nicht von den Regeln der parlamentarischen Demokratie.

Es ist unfassbar welche Verwandlung Jim Sams durchgemacht hat, denn von ihm hat eine Kakerlake besitz ergriffen und diese will den Willen des Volkes mit aller Macht durchsetzen: den „Reversalismus“ – meint die Umkehr des Geldes.  Was sich anhört wie ein schlechter Scherz, wird mit allen Mitteln verfolgt inkl. Falschmeldungen, Rücktrittsforderungen und bewusster Fehlinformation der eigenen Landsmänner. Alle Mittel sind recht um an das Ziel zu kommen…

Aber wessen Ziel ist es denn? Das des Premierministers oder das der Kakerlaken?
Wer hat den größeren Vorteil aus der kompletten Situation?

Das Buch lässt einen als Leser schmunzeln, aber auch innehalten. Warum? Der Spiegel der aktuellen Situation in Großbritannien ist einfach zu perfekt, als das man ihn ignorieren könnte.
Größenwahn, gepaart mit Schläue und Rücksichtlosigkeit bringt das Ziel immer Näher! Das Ende mit dem „Heldenmahl“ ist für mich eine bezeichnende Allegorie und hat mich das Buch zuschlagen lassen mit dem Gedanken: ja so ist es wohl.

Ian McEwan verpackt die aktuelle Situation in England perfekt in dieser fiktiven Geschichte.  Die skurrilen Anekdoten am Rande bzgl. der Kakerlaken geben dem ganzen den letzten Schliff. Pointiert und doch mit ein ernstes Hintergrund kann der Autor hier überzeugen. Politik mal anders!

Ein großes Lesevergnügen auf unter 150 Seiten und eine absolute Leseempfehlung von mir für „Die Kakerlake“ von Ian McEwan mit 5 von 5 Punkten.

Wer möchte kann hier in das Buch hereinlegen auf der Seite des Verlages.

Buchinformationen:

Rezension, Buchbesprechung zu „Die Kakerlake“ von Ian McEwan

(c) Diogenes

 

Hardcover Leinen
144 Seiten
erschienen am 27. November 2019
Diogenes Verlag
ISBN: 978-3-257-07132-0

Auch erhältlich als:
EBook & Hörbuch

 

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