Die Hinrichtung des Martin P. von Klaus Oppitz

Rezension, Buchbesprechung zu Die Hinrichtung des Martin P. von Klaus Oppitz

Ein Buch über Hasspostings in den den sozialen Medien, über die Auswirkung der Posts, über Fremdenfeindlichkeit, über das “was wäre wenn”…
“Die Hinrichtung des Martin P” von Klaus Oppitz

Wir alle Leben in einer Zeit, in der man überschwemmt wird mit schlechten Nachrichten, mit Hasskommentaren, mit der Wut anderer Menschen, die sich in der scheinbaren Anonymität des Netzes sicher fühlen. Selbstjustiz wird mit einer Selbstverständlichkeit geäußert, dass es wirklich erschreckend ist. Es wird denunziert und auf das Übelste beschimpft… Wir alle müssen uns der Flut an Informationen stellen und nehmen mehr oder weniger bewusst war, was für eine Woge des Hasses durch das Internet geht. Eine Bewegung, die mich persönlich schon lange beschäftigt und auch beunruhigt. Ist das die Stimme des Volkes? Was haben diese Posts für eine Auswirkung?

Das Internet und Facebook spiegeln schon die Stimmung in der Gesellschaft wider. Und die Justiz funktioniert am besten, wenn die Urteile auf große Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen.
Zitat: Seite 46 im Buch (K. Edtstadler als Staatssekretärin Republik Österreich)

Dieses Buch zeigt genau auf, was passiert, wenn man diese Menschen zur Stimme des Volkes macht und auf Grund einer Änderung in der Verfassung die Todesstrafe einführt…

Martin Pietsch ist 43 Jahre alt, hoffnungslos arbeitslos und gerade dabei, seine Beziehung gegen die Wand zu fahren. Als in einer großen Wohnanlage ein 17-jähriger Tschetschene ein kleines Mädchen tötet, brennen Pietsch mit einer gehörigen Dosis Frustration (und einer ebenso gehörigen Dosis Alkohol im Blut) die Sicherungen durch. Er reagiert sich in einem Hassposting gegen den Kindsmörder ab. Pietsch brüstet sich damit, ihn eigenhändig umbringen zu wollen – und erhält dafür euphorischen Zuspruch aus dem Netz. Womit er jedoch nicht rechnet: Er wird tatsächlich beim Wort genommen. Er soll den Täter hinrichten. Und bekommt dafür auch noch eine Menge Geld geboten. Und einen festen Job. Es wäre die Lösung all seiner Probleme. Aber natürlich wird Pietsch niemanden töten. Das kann er doch nicht! Oder? Kann er?

Klaus Oppitz gelingt eine düstere Erzählung über allgegenwärtige Hasspostings und darüber, was passieren könnte, wenn ihre Verfasser tun dürften, was sie schreiben. Dabei blickt er tief in die Psyche sowohl der Täter als auch der Opfer – und fördert dabei Unbequemes zu Tage.

(c) Kremayr & Scheriau

Wie weit ist man bereit zu gehen? Wie sehr greift das persönliche Gewissen? Wie ernst sind diese Kommentare zu nehmen? Kann man es wirklich tun: Auge um Auge und Zahn um Zahn? Was passiert, wenn man einem dieser Menschen die Chance bietet sein Objekt des Hasses umzubringen, quasi als Henker – Exekutive des Staates gegen Bezahlung…
Genau damit beschäftigt sich Klaus Oppitz.

Wird dieser Mann seinem Hass freien Lauf lassen und den den jungen Mann umbringen?
Kann er tun, was er angekündigt hat? Möchte die Justiz evtl. nur ein Experiment durchführen und testen, wie weit die Menschen gehen würden? Können Sie Ihren Hasskommentar wirklich in der Realität umsetzen?

Was bekommen wir mit dem Buch von Klaus Oppitz?
Eine Gesellschaftsstudie, die uns damit konfrontiert welche Auswirkungen Postings in den Sozialen Medien haben und was wir damit auslösen können. Er spielt mit dem System und baut ein Szenario auf, das einen als Leser wirklich erschüttert. Wie sehr beeinflusst unser Verhalten in den Sozialen Medien auch die möglichen neuen Arbeitgeber? Wie anonym ist man wirklich im Netz?

Die Liebesgeschichte(n) unseres Protagonisten hätte ich nicht benötigt, diese Dinge haben mich tatsächlich nicht interessiert. Auch ist er kein wirklicher Sympathieträger und es fällt schwer eine “Beziehung” zu ihm aufzubauen. Einige typische Redewendungen, wie sie in Österreich gängig sind, bremsen den Lesefluss aus. Für uns sind sie halt sehr ungewöhnlich.  Im Ganzen kann kann ich jedoch sagen, dass “Die Hinrichtung des Martin P.” ein Buch ist, das einen mit einem merkwürdigen Gefühl zurücklässt.

Ein Buch, dem ich trotz meiner Kritikpunkte eine klare Leseempfehlung ausspreche.

Wer neugierig ist, kann hier in das Buch hinein lesen.

Vielen Dank an Buch Contact und dem Verlag für das Leseexemplar.

Buchinformationen:
Rezension, Buchbesprechung zu Die Hinrichtung des Martin P. von Klaus Oppitz

(c) Kremayr & Scheriau

 

Verlag Kremayr & Scheriau
192 Seiten, Hardcover
Erscheinungsdatum: September 2019
ISBN: 978-3-218-01180-8

Auch als EBook erhältlich

 

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