Melmoth von Sarah Perry

Buchbesprechung, Rezension zu Melmoth von Sarah Perry

Als mir das Buch als Leseexemplar angeboten wurde , war mir sofort klar: Das muss ich lesen! Melmoth von Sarah Perry versprach eine gruselige Unterhaltung.

Sarah Perry ist seit dem Buch “Die Schlange von Essex” eine bekannte Größe in der Lesegemeinde und ich dachte, was soll da schiefgehen…

Harre aus in der Hölle mit deinem Geist, und verzweifle  nicht. (Siluan von Athos)

(c) eichborn

Zum Buch:

Helen Franklins Leben nimmt eine jähe Wende, als sie in Prag auf ein seltsames Manuskript stößt. Es handelt von Melmoth – einer mysteriösen Frau in Schwarz, der Legende nach dazu verdammt, auf ewig über die Erde zu wandeln. Helen findet immer neue Hinweise auf Melmoth in geheimnisvollen Briefen und Tagebüchern – und sie fühlt sich gleichzeitig verfolgt. Liegt die Antwort, ob es Melmoth wirklich gibt, in Helens eigener Vergangenheit?

(c) eichborn Verlag

Helen Franklin lebt in einem selbst auferlegten Exil in Prag. Sie gönnt sich keine Annehmlichkeiten, keine Extravaganzen, isst wenig und hört keine Musik…
Helen Franklin hat vor 20 Jahren etwas getan, wofür sie sich nicht verzeihen kann und versucht mit allen Mitteln sich selber davor zu schützen und zu geisseln.

Ihr Freund Karel übergibt Ihr das Manuskript von J.A. Hoffmann. Er scheint es loswerden zu wollen und möchte scheinbar auch jemanden haben, mit dem er darüber reden kann – allerdings kommt es da anders als man denkt.

Helen ist besessen von dem Manuskript und liest was der Schreiber der Welt mitteilen möchte. Sie liest über Melmoth, die Frau in Schwarz, die einsam über die Welt wandelt mit geschundenen blutenden Füßen. Eine Sagengestalt, die die Schuldigen beobachtet und zu einer Entscheidung zwingt: Lebe mit Deiner Schuld, oder folge mir und wandere neben mir  für den Rest Deines Lebens!
Helen liest aber auch über J.A. Hoffmann und seine Schuld. Wir reisen zurück in die Zeit des zweiten Weltkriegs. Wir begegnen einem unzufriedenen Jungen, der keine Freunde hat und scheinbar auch keine möchte. Er fühlt sich missverstanden und neided anderen das Glück. Er sympathisiert mit der NS, die in Prag einzieht und seine Schuld ist wirklich grausam.
Dieser Teil des Buches war für mich tatsächlich schrecklich, beeindruckend geschrieben und packend. Die Briefe und die Tagebuchähnlichen Eintragungen haben mich gefesselt und begeistert.

Wir lesen, dass sie (Helen) sich beobachtet fühlt und daran zu glauben beginnt, dass Melmoth existiert. Sie sieht die Gestalt in Schatten, in dem Verhalten von Vögeln und in anderen Dingen, die sie erlebt. Helen selber ist eine Person, die ich unglaublich unsympathisch fand. Ich konnte keinerlei Mitleid für Sie und Ihre Situation aufbringen und mich auch sonst nicht in sie einfühlen, was sicherlich wesentlich dazu beigetragen hat, dass ich die Geschichte im Ganzen nicht als packend und gut empfunden habe. Ich konnte einfach die beiden Teile nicht sauber zusammen bringen.

Was kann ich zum Buch selber noch sagen sagen?
Es ist nicht spannend und auch nicht gruselig. Für mich war es an vielen Stellen langatmig. Sarah Perry  kann mit Ihrer Art des Schreibens in den Passagen in denen es um Hoffmann geht, wirklich überzeugen und schafft es mich da wirklich zu packen. Bei dem Rest leider nicht, obwohl auch diese Passagen gut geschrieben sind.

Was das Buch ist, ist eine Reise durch die Zeit und eine Geschichte über Schuld, Schande, das menschliche Gewissen und Selbstgeisselung, aber leider nur phasenweise wirklich gut.

Melmoth von Sarah Perry bekommt daher von mir nur 2 von 5 Sternen.

Danke an eichborn / Bastei Lübbe für das Leseexemplar.

Buchinformationen:
Buchbesprechung, Rezension zu Melmoth von Sarah Perry

(c) eichborn

Eichborn Verlag
Hardcover, 332 Seiten
ISBN: 978-3-8479-0664-3
Ersterscheinung: 30.09.2019

 

 

 

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Cover und Klappentext reizen mich ja sehr, aber nachdem ich nun deine Kritikpunkte las bin ich unsicher – zumal heute einige Meinungen online gingen und meine Erkenntnis: entweder ist man begeistert oder eben nicht … 😀

Mukkelige Grüße :-*

Hm, liest sich eigentlich ganz vielversprechend. Zunächst. Manchmal weiß man nicht, was einen stört an einem Buch. Ich denke oft tagelang darüber nach, warum mich ein Buch unberührt lässt, das scheinbar allen anderen gefällt. Ob ich vielleicht den tieferen Sinn nicht verstehe, frage ich mich dann gelegentlich zum Beispiel

Danke für die Besprechung, viele Grüße