Buchgeflüster: Brauchen wir in der Literatur die KI?

Hallo Ihr Lieben,

es ist wieder Zeit für einen neuen Beitrag aus unserer Rubrik “Buchgeflüster”.
Leider haben wir das ein wenig schleifen lassen in der letzten Zeit, aber wir geloben Besserung.

Heute möchte ich (Anja) etwas zu dem Thema Literatur und die KI/Computerprogramme schreiben, denn dieses Thema war auf der #FBM18 schon ein Thema und die FAZ hat dazu letztens auch erst einen Bericht veröffentlicht. Das Thema beschäftigt mich also schon geraume Zeit und daher möchte ich dazu etwas schreiben.

Also wer möchte, der darf mir gerne folgen…

Eure Anja

Trenneunsgline - WE LOVE BOOKS in Herzlinie integriert

Die Hauptfragen, die sich mir stellen sind folgende:

  • Ist es irgendwann soweit, dass die KI Geschichten individuell für meinen Geschmack zusammenstellt, so dass ich keine Enttäuschung mehr erlebe. Wobei die Kehrseite der Medaille da natürlich ist, dass ich nie wieder etwas lese, was außerhalb des Schemas ist.
  • Kann eine KI überhaupt so schreiben, dass wir es nicht merken?
  • Möchte ich, dass ein Programm entscheidet, welches Buch Potenzial für einen Bestseller hat,  an Hand von Algorithmen sprich Nullen und Einser?

Beginnen wir aber mit dem Punkt, an dem ich erstmals direkten Kontakt hatte mit diesem ganzen Thema. Die #FBM18 bot dem Unternehmen QualiFiction, eine Bühne um die Software zu präsentieren und zu zeigen, wie toll dieses Tool völlig unvoreingenommen eingespeiste Texte bewertet und am langen Ende einen Sieger kürt.

Ein Algorithmus ermittelt dazu mit Hilfe einer Reihe von Daten den „perfekten Text“. Die Verlage sollen damit entscheiden, welches Buch es sich zu drucken lohnt… Verlage sollen damit eine objektivere Entscheidung treffen, welches Buch sie drucken. Vor allem sollen sie aber Geld sparen: Im Lektorat könnte man durch den Algorithmus zukünftig Stellen einsparen, das Buch-Marketing und die passende Auflagenhöhe kann er laut Werbe-Flyer auch gleich noch berechnen.

Quelle: Netzpolitik.org

Der Algorithmus wird mit existierenden Büchern und deren Erfolgen gefüttert. Anhand dieser vorgegebenen Daten bewertet er den neuen eingegebenen Text. Alle Texte über einen gewissen Protzentsatz ist laut dieser Software und den Entwicklern veröffentlichungswürdig.

Bild zum Thema KI und Literatur in Verbinund mit dem menschlichen Vorlieben

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Erstaunliche Tatsache: Sebastian Fitzek mit seinen Bestsellern würde danach kein einziges Buch mehr veröffentlichen… Ich vermute Bernhard Aichner wäre auch raus, da er keine ausgewogenen Sätze schreibt.
Wie objektiv ist so ein Algorithmus wirklich? Denn die in diesem Fall 5000 “Grundlagenbücher” wurden ja auch ausgewählt. Kann eine “Adjektivquote” und Satzlänge wirklich den Erfolg einen Buches ausmachen?

Dann die Frage: möchten wir das wirklich?
Kann ein Computer wirklich sagen, dass ist der perfekte Text, die perfekte ausgewogene Mischung zwischen Gefühlen, Spannung und Geschichte?

Bestseller-DNA + LiSA: Score für die Wahrscheinlichkeit eines Bucherfolgs & Analyse der Texte auf einen Blick.
Mit der Software lassen sich Texte innerhalb von 30 Sekunden auf Relevanz vorfiltern.

Aussage auf der Seite des Unternehmens QualiFiction

Ich für meinen Teil kann zu diesem oberen Teil sagen: NEIN! Bücher macht viel mehr aus als ausgewogene Sätze. Es ist die Idee die zählt, die Umsetzung, die Figuren, die Spannung. Wie soll das ein Programm bewerten?

Fact am Rande:
Das Buch, das auf der #FBM18 das Rennen gemacht hat würde ich niemals kaufen…

Computer als Symbol für einen Algorithmus zur Ermittlung ab ein Text gut ist

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Jetzt kommen wir zu dem Punkt:
Möchte ich, dass eine KI bestimmt was ich lese?
Wieder ein ganz klares NEIN!
Ich möchte selber bestimmen was ich lese. Ich möchte mich von anderen Bloggern, von Freunden und von Rezensionen inspirieren lassen. Ich möchte neue lesenwerte Bücher in meinem Lieblingsbereich finden, aber auch Bücher, die außerhalb meines normalen Genre liegen. Das alles würde nicht mehr gehen, wenn alles über eine KI gesteuert würde. Wir bekämen immer den gleichen “Brei” vorgesetzt ohne Abwechslung. Für mich persönlich ein absoluter Albtraum.
Die erste Tendenz dieser Entwicklung kennen wir alle durch unsere Onlinekäufe: Wenn Ihnen das gefallen hat, dann könnte Ihnen auch jenes gefallen. Die unendlichen Buchvorschläge der Online-Portale bei denen wir unsere EBooks kaufen.

Spinnen wir den Gedanken doch weiter:

Die KI empfiehlt nicht nur, sondern sie schreibt auch noch die entsprechenden Geschichten explizit nur für mich. Was für ein Albtraum! Ein Computer ohne Herz und Gefühl schreibt Bücher / Geschichten und zwar individuell angepasst an meine Lesebedürfnisse.

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Bild von Werner Moser auf Pixabay

Was das alles mit sich bringen würde:
Kein Stöbern mehr in Buchhandlungen. Keine Blogger mehr. Keine Buchrezensionen mehr. Keine Empfehlungen mehr an andere Leser. Denn wir könnten ja nichts mehr empfehlen, da es das Buch ja nur für mich in dieser Form gibt.

Alleine bei dem Gedanken wird mir ganz schwindelig und ich bekomme leichte Schnappatmung. Eine Vorstellung, die mir zusetzt und mir eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Ich stelle mir die Bücher vor, wie in dem Film: “Und täglich grüßt das Murmeltier”

Ich möchte noch den Artikel der FAZ verlinken zu dem Thema: Literatur und KI: Vernunft ist auch eine Herzenssache.
Das ist eine etwas weitere Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Ich mag meine Bücher bunt, vielfältig und ich möchte mich durch keinen Algorithmus in eine Schublade drücken lassen oder bestimmen lassen, was ich lesen soll.

Freiheit für die Geschichten, für die Gedanken und für die Autoren, die uns so viele wundervolle Stories schenken!

Wie steht Ihr dem ganzen Thema gegenüber?
Beschäftigt Euch das, oder seht Ihr das völlig gelassen?

Lasst uns doch wissen, wie Ihr das seht.

Buchige Grüße Eure An(j)a

 

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