Die wundersame Mission des Harry Crane von Jon Cohen

Seit Harry auf Bäume klettern kann, weiß er, wie man sicher durchs Leben kommt: Man muss sich nur gut festhalten.
Doch ein kleines Mädchen lehrt ihn eine noch viel wichtigere Lektion: Sie zeigt ihm, wie man loslässt.

Harry Crane braucht nicht viel zum Glücklichsein: seine Frau Beth und die sichere Geborgenheit von Bäumen und Wäldern. Als Beth völlig überraschend stirbt, steht er vor dem Nichts – und beschließt, in den tiefen Wäldern Pennsylvanias zu verschwinden. Dabei kommt ihm allerdings das Schicksal in die Quere, in Gestalt der zehnjährigen Oriana, die an die Magie der Märchen glaubt. Sie hat ihren Vater verloren, ist aber felsenfest davon überzeugt, dass er nicht tot, sondern nur verwandelt ist – und es liegt an ihr, den Zauber zu brechen. In Harry sieht sie den Schlüssel zur Lösung des Rätsels. Und Harry? Findet sich schneller, als ihm lieb ist, mittendrin in einer aberwitzigen Mission: Er soll Orianas Märchen wahr werden lassen …
Ein Roman, zartbitter, witzig und rührend schön, über Trauer und Verlust, über die Macht von Geschichten und die heilende Kraft von Bäumen – ein Roman, der sprüht vor Fantasie, Fabulierlust und ungebrochener Lebensfreude.

(Quelle: Suhrkamp.de)

Gibt es für Trauer und ihre Bewältigung ein Handbuch? Klare Regeln? Ein Zeitfenster? Ein Richtig oder Falsch? Was tut man, wenn ein geliebter Mensch –  sei es Ehefrau, Ehemann oder Vater – von jetzt auf gleich stirbt und plötzlich einfach weg ist?
Diesen und zahllosen anderen Fragen sehen sich Harry, Amanda und Oriana gegenüber und zeigen auf, dass es Millionen Wege und Arten der Trauer gibt… aber schlussendlich keinerlei Patentrezept.

Während sind Harry dem Leben entzieht und in Arbeit vergräbt, versucht Amanda den Todes ihre Mannes mit Realismus beizukommen und Oriana sucht in Märchen und Fabeln eine Erklärung für den Weggang ihres Vaters zu finden.
Drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber dennoch etwas eint. Die Trauer um einen geliebten Menschen, der Wald und seine Bäume….und ein ganz besonderes Buch. Ein Buch, das auf merkwürdigen Wegen Menschen und ihre Schicksale aufeinander treffen lässt.
Das Buch des alten Grum.

Ich gestehe, dass ich dieses Buch sehr langsam und besonders aufmerksam gelesen habe. Zwar ist das Buch und seine Handlung für sich genommen sehr leise und entschleunigt,  aber dennoch so machtvoll und gewaltig, dass es unweigerlich in seinen Bann zieht und den Leser immer wieder nachdenklich zurücklässt.

Die Entwicklung der Figuren und ihre Verarbeitung der Trauer sind so unscheinbar und dennoch sehr stark. Die Symbiose der Charaktere mit dem Wald und den Glauben an Märchen und Fantasie so mächtig, dass man selbst zahllose Spuren für Orianas Thesen finden und quasi nach ihnen sucht.

Besonders gut gefiel mit wie die Schicksale verschiedenster Menschen auf wundersame Weise doch sehr eng miteinander verwoben sind und kleinste quasi unscheinbare Entscheidungen im Leben anderer riesige Wellen schlagen. Aber das Highlight schlechthin ist und bleibt die Pratt Libary, die obwohl so unscheinbar einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte ist.

Kleiner Schwachpunkt hingegen ist im ersten Drittel Harrys Affinität zu Bäumen. Die endlosen Aufzählungen lateinischer Namen und botanischer Eigenheiten und Vorlieben der Bäume können abschreckend wirken. Aber schlussendlich ist dies dennoch logisch, weil mit ihrer Hilfe etliche Erinnerungsbrücken für Harry geknüpft werden. Erinnerungen, die halt immer irgendwie mit Bäumen verbunden sind. Erste Treffen mit Beth…Kindheitserinnerungen etc.
Einfach darauf einlassen! Es lohnt sich!

Alles in Allem ein Buch, das Zeit braucht und seinen Leser erdet. Frei jedweder Hektik, darf man die Geschichte und Entwicklung erleben. Klares Erlebnis!

5 von 5 Goldmünzen

#01/2019

Informationen zum Buch

Erschienen: 02.10.2018
insel taschenbuch 4662
Klappenbroschur
536 Seiten
ISBN: 978-3-458-36362-0

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