Gegen Judenhass von Oliver Polak

Ein alarmierender Appell gegen Menschenhass und den erstarkenden Antisemitismus in Deutschland.

»Wenn du heute wieder nicht lustig bist, landest du im Aschenbecher!«
»Mein Vater ist auch im KZ gestorben, besoffen vom Wachturm gekippt.«
»Musst du nicht weg? Der letzte Zug nach Auschwitz fährt doch gleich.«
»Juden wollen immer Mitleid!«

Das sind nur ein paar der Sätze, die der Autor dieses Buches tagtäglich in Deutschland zu hören bekommt. Andere Menschen werden auf offener Straße angegriffen, weil sie eine Kippa tragen. Jüdische Schüler werden beschimpft. Antisemitische Rapper hingegen bekommen Preise. Einem jüdischen Restaurantbesitzer wird seine bloße Anwesenheit vorgeworfen: »Wir wollen euch hier nicht in Deutschland.« »Euch«, das meint die Juden. All das zeigt: Deutschland hat ein Problem mit ihnen. In eindringlichen Worten appelliert Oliver Polak für eine klare Haltung: Wenn wir eine liberale Gesellschaft sein wollen, müssen wir uns endgültig von unseren Ressentiments befreien!

(Quelle: Suhrkamp)

Kurzmeinung:

Ich gestehe, dass dies mein erstes Buch von Oliver Polak ist und er mir auch als Comedian bis dato eher unbekannt war. Allerdings lausche ich seit einer Weile seinem Podcast “Juwelen im Morast der Langeweile” – dazu berichte ich euch ggf. in einem der nächsten Buchgeflüster ja mehr – und bin somit auch auf sein neuestes Buch (diesem hier) aufmerksam geworden.

Okay, Buch ist für meine Verhältnisse das falsche Wort. Es ist eher ein Heft…eine Broschüre, die mich optisch an meinen Katechismus aus dem Konfirmandenunterricht erinnert und Dank seiner knallige Farbe im Buchhandel leicht zu finden sein sollte.
Ja, ich habe im Vorfeld keine Leseprobe gelesen und war erst einmal überrascht, dass gut und gerne 60% aus fast leeren Seiten bestehen. Aber auf dem zweiten Blick ist klar, dass das schon seinen Sinn hat. Oliver Polak gibt so dem Leser Zeit über die Fragen nachzusinnen…in sich zu gehen und lässt Raum für das eigene Denken.

Auf den restlichen 40% berichtet er über seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse in Sachen Antisemitismus und wie ihm Menschen begegnet sind. Sei es, dass er wortwörtlich über den Schulhof gejagt wurde, über Erlebnisse in seiner Jugend bis hin zu Dingen aus TV und Presse des aktuellen Zeitgeschehen.
Dabei folgt er keiner bestimmten Abfolge, sondern hüpft mal hier hin und mal dahin. Und zeigt so sehr anschaulich und auch erschreckend, dass Antisemitismus und Rassismus kein neues Thema ist, dass es jede Altersgruppe und jede soziale Schicht betrifft und wir ihn viel zu sehr ignorieren und scheinbar in unseren Reihen einfach akzeptieren.

“Dieser einheimische Antisemitismus kommt mir vor wie ein alter vertrauter Verwandter, der schon lange da ist und stillschweigend geduldet wird, gemütlich in seinem Schaukelstuhl in der Ecke wippt und mich beobachtet.”

Kurzum dies ist ein Buch, das nicht zur Unterhaltung dient. Ein Buch, das keinen klassischen Handlungsstrang in sich birgt. Sondern vielmehr ein Buch, das sensibilisieren und aufwecken will. Viel zu lange haben wir alle geschlafen und vor uns hingedöst. Es ist an der Zeit aufzuwachen!

“Gegen Judenhass” ist ein Buch, das ich bewusst nicht bewerten will, sondern viel mehr jedem ans Herz legen will. In seiner Form eignet es sich wunderbar als Schullektüre, wo Aufklärung wichtiger denn je ist!

Informationen zum Buch

Erschienen: 02.10.2018
suhrkamp taschenbuch
Taschenbuch, 127 Seiten
ISBN: 978-3-518-46984-2

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