Kein schönerer Ort von Manichi Yoshimura

Auf der Rückseite des Buches ist nur ein kleiner Absatz abgebildet:

„Nicht die Katastrophe ist das Problem. Sondern das Danach.“  Osamu Yoshino

Und damit möchte ich es auch bei der Inhaltsbeschreibung belassen. Der Klappentext auf der Innenseite ist sehr ausführlich und meiner Meinung verrät er fast zu viel.

(C) Cass Verlag

Meine Meinung:

Das Buch beginnt völlig unspektakulär:

Das Haus hatte einen kleinen Garten, In dem Garten wuchsen viele mir völlig unbekannte Pflanzen.

Zitat 1. Seite der Geschichte

Kyoko, eine zu dem Zeitpunkt 11jährige Schülerin, erzählt uns von den Dingen, die sie in ihrer Heimatstadt Umizuka erlebt hat. Als Leser stolpern wir von einem Erlebnis zum Nächsten und können zuerst gar nicht einordnen was überhaupt vor sich geht.

  • Warum malt das Mädchen ein Bild von ihrer Freundin, auf dem diese wie ein Monster aussieht?
  • Warum scheint die Mutter unter einem Reinigungszwang zu leiden?
  • Warum wird nur Fertigessen, bzw. Abgepacktes gegessen,  obwohl doch angeblich alles so gesund ist was in Umizuka angebaut oder aus dem Meer gefischt wird?

Während wir weiter in der Geschichte voranschreiten erleben wir merkwürdige Dinge. Ein Lehrer verschwindet plötzlich, Kinder sterben scheinbar grundlos oder werden schwer krank, aber niemand hinterfragt diese Dinge…

Kyoko wird von ihrer Mutter geschlagen, weil sie ein Baby anstarrt – aber warum? Die Frage, die mir sofort kam: Was ist daran so schlimm?

Keine dieser Fragen wird uns direkt beantwortet, es gibt keine Lösung auf dem Silberteller präsentiert für uns als Leser, sondern wir müssen uns diese erarbeiten.

Als Leser hat man die ganze Zeit ein merkwürdiges Gefühl beim Lesen, denn es ist absolut klar, dass etwas schlimmes passiert sein muss und jetzt alles totgeschwiegen wird.

Zwischen den Zeilen zu lesen ist absolut unerlässlich, denn da findet man einen Teil der Wahrheit und kann damit 1 + 1 zusammenzählen. Die Fassade bröckelt und man kann dahinter sehen, auch wenn ich mich gefragt habe, ob ich das überhaupt will bzw. wollte.

Das Buch ist tatsächlich gleich in verschiedener Hinsicht etwas besonderes und hinterlässt noch nach dem Zuklappen einen faden Beigeschmack. Es geht nicht nur um das Unglück, das in Japan natürlich sofort an Fukushima denken lässt, sondern auch an völlig fehlgeleitetem Idealismus, ein falsches Gemeinschaftsgefühl, Unterdrückung und Schweigen zu Dingen, die nicht sein dürfen.

Was mich persönlich gestört hat, war die zu gewollte Andersartigkeit von Kyoko, Ihr zum Teil sehr schräges Verhalten, obwohl sie wusste, dass es sowohl für sie als auch ihre Mutter gefährlich ist. Ein Mädchen, das mich stellenweise  doch genervt hat mit ihrer Art.
Auch wenn eigentlich klar ist was in Umizuka passiert, hätte ich mir an einigen Stellen doch einige Erklärungen gewünscht, allerdings kann bei unter 200 Seiten natürlich auch nicht zu viel erwarten.

Ein düsterer Roman voller Geheimnisse, die entdeckt und entschlüsselt werden wollen.

Von mir gibt es 3,5  von 5 möglichen Punkten

Ein Dank an dieser Stelle an den Cass Verlag für das Rezensionsexemplar.

(C) Cass Verlag

Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: Cass; Auflage: 1 (13. August 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3944751191
ISBN-13: 978-3944751191

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