Interview mit Symone Hengy

Hallo Ihr Lieben,

heute haben wir nach langer Durststrecke mal wieder ein Interview für Euch.

Wer es noch nicht kennt:

Teil1: Harte Fakten
Teil2: Alles rund um das Thema Schreiben und die aktuellen Bücher
Teil3: Persönlichere und skurrile Fragen

Heute hat sich Symone Hengy, Autorin der Gloria Siegel Trilogie bereit erklärt mit uns ein Interview zu führen.

Vielen Dank Symone, dass Du den Spaß mitgemacht hast und Euch viel Spaß mit dem Interview.

Eure Tii & Ana

Beginnen wollen wir mit ein paar harten Fakten rund um die Autorin:

(C) Symone Hengy

Name:  Symone Hengy, Pseudonym: Mo Siegel

Geburtsdatum: 22.03. 1965

Gefühltes Alter: 35

Wohnhaft in: Oberndorf am Neckar

Gebürtig aus: Dresden

Familie (Kind, Kegel, Haustiere…):
Einen Mann, zwei erwachsene Kinder, vier Enkelkinder, das Fünfte ist unterwegs.

Was sind Deine Hobbys?
Das Schreiben ist so erfüllend, dass ich keine Hobbys brauche. Aber ich habe wieder angefangen, Akkordeon zu spielen, begleite meinen Mann aber gern auf seinen Bergwanderungen in Südtirol, Österreich oder in der Schweiz.

Welchen Beruf übst Du noch im „wahren“ Leben aus?
Ich bin ausschließlich als Schriftstellerin tätig.

Treibst Du Sport?
Im Laufe der Jahre immer weniger. Was geblieben ist, sind ausgedehnte Wanderungen in den Bergen und am Strand.

Was magst Du an Musik:
Ich bin nicht festgelegt. Außer Hardrock höre ich alles, was gut ist.

Welche Filme oder Serien magst Du?
Ich liebe Krimis und Thriller, bevorzugt aus Skandinavien. Ich sehe mir aber auch gern französische Komödien im Stil von „Willkommen bei den Sch‘tis“, „Ziemlich beste Freunde“ oder „Monsieur Claude und seine Töchter“ an.

Jetzt möchten wir gerne wissen, wie Symone zum Schreiben gekommen ist und was sie zu ihren Büchern inspiriert hat:

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Ich gehöre zu den Menschen, denen es schwerfällt, vor fremden Menschen zu sprechen, was jedoch nicht bedeutet, dass ich nichts zu sagen hätte. Ich halte mich aber gern im Hintergrund und schreibe auf, was mich bewegt, anstatt darüber zu reden. Deshalb habe ich bereits in meiner Kindheit angefangen, meine Emotionen in Gedichten auszudrücken.  Anfangs Kinderreime, dann Liebesgedichte, politische Gedichte … Ich war 24 Jahre alt, als die DDR zusammenbrach und mein ganzes bisheriges Leben in Frage stellte. Um geistig einigermaßen wohlbehalten aus dieser Sache herauszukommen, habe ich meine Erlebnisse aufgeschrieben und im Wenderoman „Der Duft der heilen Welt“, der unter dem Pseudonym Mo Siegel erschienen ist, verarbeitet. Was autobiografisch begann, habe ich jedoch inzwischen so oft umgeschrieben, dass es zwar ein Stück Zeitgeschichte geblieben ist, aber nur noch sehr wenig mit meinem eigenen Leben zu tun hat. Die Arbeit an diesem Buch hat mir so viel innere Ruhe und Zufriedenheit gegeben, dass ich beschlossen habe, einfach weiter zu schreiben.

Was hat Dich zu Deiner Serie um die Profilerin Gloria Siegel inspiriert?
Anfang der neunziger Jahre konnte der österreichische Serienmörder Jack Unterweger nur dank der Profiler des FBI überführt werden. Seitdem werden die Methoden der Fallanalyse, wie der Ermittlungsansatz korrekt heißt, nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland angewendet.

Aber wie funktioniert so eine Fallanalyse?

Inspiriert von dieser Frage, habe ich gründlich recherchiert, die Kernpunkte des Profilings herausgepickt und in einer hoffentlich spannenden Trilogie um die Dresdner Profilerin Gloria Siegel verarbeitet.

Alle drei Romane behandeln einen abgeschlossenen Fall und können unabhängig voneinander gelesen werden.

War Dir von Anfang an klar, dass es nur drei Teile geben würde?
Ja. Nachdem ich das Thema recherchiert hatte, wusste ich, dass der Stoff zu umfangreich für einen einzigen Roman ist. Ich wollte aber auch nicht riskieren, mit immer neuen Episoden ins Banale abzurutschen. Deshalb habe ich gleich am Anfang den Plot für alle drei Bücher geschrieben, die dann innerhalb der nächsten sechs Jahre veröffentlicht wurden. Der dritte Band „Extrem: Mord ist dicker als Blut“ erschien Anfang März 2018 im Hybrid Verlag.

Wie lange brauchst Du im Schnitt  von der 1. Idee bis zum Wort „Ende“ eines Buches?
Von der Idee bis zum fertigen Manuskript vergehen zirka zwei Jahre. Ich setze mir da keine Fristen, sondern gebe dem Buch so viel Zeit, wie es braucht, um meinen eigenen Anforderungen zu genügen, denen ich immer die vermeintlichen Erwartungen zukünftiger Leser zugrunde lege. Ich möchte eine Geschichte erzählen, wie sie vor mir noch niemand erzählt hat und die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite packt. Dafür muss ich mit Winkelzügen aufwarten, die nicht vorhersehbar sind. Muss überraschen und überzeugen. Aber das funktioniert nur,  wenn ich bereit bin, gedankliche Umwege in Kauf zu nehmen und selbst um die Ecke zu denken.  Und eben das braucht Zeit.

Wieviel finden wir von Dir persönlich in Deiner Protagonistin Gloria Siegel?
Werte, Weltanschauung und Moral sind von mir, alles Übrige ist Fiktion.

Warum hast Du Dich für Dresden entschieden als Schauplatz und bist nicht in die „weite“ Welt gegangen?
Mein Ziel war es, den Leser mit der Ermittlungsmethode des Profiling vertraut zu machen. Folglich sollte es Protagonisten geben, die auf dem Wissensstand durchschnittlicher Leser stehen. Deshalb entschied ich mich für Studenten und junge Kommissare, die mit dem Gedanken spielen, Profiler zu werden. Polizisten gibt es überall, aber wo kann man Psychologie studieren? Neben einigen anderen Universitäten mit gutem Ruf, natürlich auch in Dresden. Als gebürtige Dresdnerin lag es auf der Hand, die Technische Universität Dresden zu wählen. Auch, weil mir als gebürtige Dresdnerin die Mentalität der Sachsen bestens vertraut ist.

Versuche in drei Sätzen zu erklären, wer Dein Buch unbedingt lesen sollte.
Alle, die nicht vordergründig auf brutale Gewalt stehen, sondern Spaß an guter Sprache und einem spannenden Gesamtkonzept haben.  Leser, die sich mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen. Leser, die sich für die Motive eines Menschen interessieren, Gutes oder unfassbar Schlechtes zu tun.

Ist das Buch „Mimosen“ tauglich, sprich ist es auch für die zarteren Seelen geeignet?
Auf jeden Fall. Die Handlung in den Büchern verliert sich nicht in sinnlosem Gemetzel, sondern beschreibt eine junge Ermittlungsmethode, ohne die moderne Polizeiarbeit heute nicht denkbar wäre.

Hast Du besondere Schreibphasen (bist Du z. B. abends besonders kreativ, brauchst Du Musik)?
Genau so unspektakulär, wie sich das Wort Routine anhört, halte ich es. Ich setze mich morgens nach dem Frühstück an meinen Computer und arbeite bis zum Mittag durch.  Dann nehme ich mir eine Pause von ein bis zwei Stunden und schreibe am Nachmittag für zwei, drei oder vier Stunden weiter.
In der Regel schreibe ich jeden Tag, also auch samstags und sonntags. Und dann in völliger Ruhe.

Wie machst Du Deine Notizen? Handschriftlich oder digital?
Kommt drauf an, was ich gerade zur Hand habe, meistens aber handschriftlich.

Hast Du einen genauen Plot an den Du Dich hältst, oder schreibst Du los und guckst wohin Dich die Idee und die Geschichte bringen?
Bevor ich mit einem neuen Roman beginne, habe ich bereits eine Idee im Kopf. Aus dieser Idee kreiere ich einen möglichst packenden Plot, den ich im Anschluss auf wenige Sätze zusammenkürze.
An dieser Stelle beginnt meiner Meinung nach die trockenste Phase für einen Autor: den zusammengekürzten Plot zu einem sorgfältig durchdachten Konzept zu verarbeiten. Eine Art Routenplan für die spätere Handlung. Ich selbst weiß zwar, wo das Schicksal den oder die Protagonisten hinführen soll, muss aber einen Weg finden, den der zukünftige Leser möglichst glaubhaft und nachvollziehbar mitgehen kann.  Mit Hindernissen und Schleifen, um ihn in die Irre zu führen, aber trotzdem zielführend. Und mit Informationen gespickt, die nicht nur seine Emotionen wecken, sondern auch Spannung erzeugen und intelligenten Mehrwert bieten.

Diese Vorarbeiten nehmen erfahrungsgemäß mehrere Wochen in Anspruch, sind aber notwendig, um während der folgenden Monate den Faden nicht zu verlieren und verschiedene Handlungsstränge am Ende logisch zusammenführen zu können.

Was für ein Haus das Fundament, ist für den Roman das Konzept.

Steht es endlich, beginnt der wunderbare Teil meiner schriftstellerischen Arbeit: Das Füllen der einzelne Kapitel mit Leben.

Benutzt Du Ticks/Macken oder ähnliches von Freunden und Bekannten in Deinen Büchern?
Im Roman ist es wie im realen Leben, es gibt sympathische Menschen, liebeswerte Trottel, farblose Zeitgenossen und bösartige Typen. Um sie für den Leser erlebbar zu machen, greife ich auf meine eigenen Erfahrungen zurück und beschreibe meine Figuren so, wie ich ihre Vorbilder aus dem realen Leben wahrnehme. Die guten oder schlechten Eigenschaften werden dann je nach Bedarf überspitzt dargestellt, um den Leser entweder für diese Figur oder gegen sie einzunehmen.
Wer wie ich gern beobachtet, dem fällt es nicht besonders schwer, aus der Sicht eines sympathischen, liebenswerten oder farblosen Menschen zu schreiben. Viel schwieriger ist es, sich in die Figur des grausamen Mörders hineinzuversetzen. Die Beschäftigung mit dem Bösen kann einen dann schon mal bis in die Träume verfolgen. Aber ich greife bei der Entwicklung meiner Figuren auch gern auf gängige Klischees zurück, die ich mit aktuellen Meinungen und Befindlichkeiten verbinde.

Gibt es einen Autor, der Dich inspiriert hat?
Mein Vorbild ist Jessica Fletcher aus der Fernsehserie „Mord ist ihr Hobby“, weil sie es schafft, sich neben der Arbeit als Schriftstellerin ein aktives Leben zu bewahren. Das klingt vielleicht merkwürdig, weil sie keine reale Persönlichkeit ist. Trotzdem erinnere ich mich durch sie daran, dass es neben dem Schreiben auch noch eine reale Welt gibt, eine Familie und Freunde.

Was den Schreibstil angeht, orientiere ich mich gern an Karin Fossum, Peter Temple, Lee Child und Simon Beckett.

Jetzt kommen wir zu unserem Lieblingsteil – die persönlichen und etwas skurrilen Fragen an unsere Interviewpartner…

Eine gute Fee kommt zu Dir und könnte Dir folgende Wünsche erfüllen:

  1. Du darfst Dir eine Superkraft aussuchen: Welche und warum?

Ich würde gern alle Sprachen dieser Welt sprechen können, um mich bei meinen Reisen überall zu Hause zu fühlen. Weil: Zuhause ist da, wo man Freunde hat.

  1. Du darfst 24 Stunden in einem anderen Körper (Mensch, Tier o. ä.)  verbringen,   wofür bzw. für wen würdest Du Dich entscheiden und auch hier warum?

Ich war gerade in Oxford und habe mir das College Christ Church angeschaut. Wer nicht weiß, um welches College es sich handelt: Hier wurden Hogwarts-Szenen für die Verfilmung von Harry Potter gedreht.

Ich würde gern einen Tag lang inmitten privilegierter junger Menschen an diesem College studieren. Ich glaube, es muss erhebend sein, in Gemäuern zu leben und zu lernen, die den Geist berühmter Absolventen von 450 Jahren ausatmen.

  1. Du darfst eine Zeitreise machen: In welche Zeit würdest Du gerne reisen wollen?

Ich würde gern ins Deutschland vor den beiden Weltkriegen reisen, am liebsten irgendwo in die Berge. Warum? Als ich ein Kind war, gab es in der DDR eine Sendung, „Willi Schwabes Rumpelkammer“, in der uralte Filme gezeigt wurden. Damals, so schien es mir, war die Welt noch in Ordnung.  Das würde ich doch gerne einmal überprüfen.

Kannst Du kochen? Kochst Du gerne? Hast Du ein Leibgericht?
Meine Familie meint, ich sei eine gute Köchin. Aber gut kochen kann meiner Meinung nach nur, wer es auch gerne macht. Ich koche sehr, sehr gern – bodenständige Gerichte genauso wie exotische Gerichte, zu denen ich mich während meiner vielen Auslandsreisen inspirieren lasse.
Mein Leibgericht: Hühnchen aus dem Ofen oder vom Grill.

Wie kannst Du am besten entspannen?
Bei einem guten Krimi oder Thriller vor dem Fernseher.

Bist Du ein heimlicher Monk oder eher Gott des Chaos?
Ein heimlicher Monk. Ich glaube aber, das hat viel mit dem Alter zu tun – lach.

Wir kommen Dich spontan besuchen, wie treffen wir Dich an (Jogginghose/Anzug etc.)? 
Leggings oder Jogginghosen, ungeschminkt und mit hochgesteckten Haaren.

Wie sieht für Dich ein Traumurlaub aus? Wellness oder Camping? Exotisch oder Balkonien? Strandurlaub oder Erkundungstrip?
Urlaub mache ich am liebsten in der Natur, idealerweise mit Bergen und Meer.  Um auf deine Fragen zurückzukommen: Weder Wellness, noch Camping, dann doch eher ein Strandurlaub in Verbindung mit Erkundungstrips.

Buchrolle: In welchem Buch würdest Du gerne eine Rolle übernehmen? Es muss nichtzwingend Deins sein.
In dem Politthriller „Ich rette die Welt – aber erst mal eine rauchen“ von Anne Grundig würde ich gern die mutige Kriegsreporterin Lea sein. Der außergewöhnliche Roman wurde vom Hybrid Verlag für eine Neuveröffentlichung angenommen. Wer sich für die Zusammenhänge im Syrienkrieg interessiert, sollte es zu gegebener Zeit unbedingt lesen.

Buchdate: Welche Buchfigur würdest Du gerne mal treffen? (Es muss nicht zwingend Deine sein)
Sherlock Holmes. Oder vielleicht doch besser den liebenswerteren Dr. Watson?

Wer die Reihe um die Profilerin Siegel noch nicht kennt, hier nochmal die drei Bücher, die wir Euch auf jeden Fall empfehlen möchten.

Teil 1 und 2 sind als BoD erschienen und mit dem dritten Teil, hat Symone Hengy einen Vertrag beim Hybrid Verlag erhalten. Und uns persönlich gefällt es super gut, dass der Verlag die Cover-Gestaltung beigehalten hat.

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