Rezension: Die Tagebücher des Michael Iain Ryan – Nadja Losbohm

(c) Nadja Losbohm

 

Kindle Edition
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 342 Seiten
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Erscheinungsdatum:  26.07.17
ASIN: B074LZQJDM

Klappentext:

Manche sagen, in mir lebe ein Dämon, den es gilt auszutreiben – mit allen Mitteln.
Manche halten mich für den Sohn des Teufels, nur weil ich anders bin.
Sie gewähren mir keine Gnade, lassen mich büßen für Dinge, die ich nicht getan habe. Für sie bin ich die Verkörperung des Bösen.
Doch ich bin kein Kind der Dunkelheit, sondern des Lichts.
Sie schlagen und treten mich; sie spucken mich an und beschimpfen mich, aber brechen können sie mich nicht, denn einer wacht über mich…in Ewigkeit.

Die Tagebücher des Michael Iain Ryan: ein historischer Fantasy-Roman über die Lebensgeschichte Pater Michaels aus der Fantasy-Romance-Buchreihe Die Jägerin.

Inhalt:

Wir begleiten Michael während seiner ersten Jahre und starten im Jahr 990.

Wir erleben einen kleinen Jungen im Alter von acht Jahren, der bei seinen Eltern ein etwas kärgliches aber glückliches Leben auf einem kleinen Hof führt.

Während einer Reise seines Vaters geschieht etwas grausames und seine Mutter wird bei einem Angriff von drei Männern getötet. Als der Vater zurück kommt wird Michael nicht etwa getröstet, sondern von seinem Vater gejagt, beschimpft und sogar bedroht.

Damit beginnt für Michael die wahrscheinlich schlimmsten Jahre seines Lebens, denn sein Vater tötet ihn nicht, sondern “entsorgt” ihn in einem Kloster.

Verstoßen vom eigenen Vater, traumatisiert von den Erlebnissen auf dem ehemaligen heimischen Hof betritt der kleine Junge das Kloster.

Da der Glauben innerhalb seiner Familie immer wichtig war und seine Mutter ihm immer erzählt hat von der Güte und Warmherzigkeit Gottes, glaubt der junge Michael, dass er dort ein neues zu Hause finden wird.

Leider wird er schnell eines Besseren belehrt und er muss begreifen, dass das Klosterleben völlig anders ist, als er es sich vorgestellt hat.

Häufig habe ich mich gefragt, wie er das ertragen kann und wie daraus ein Mensch werden kann, der sich um andere Menschen sorgt und kümmert, wie er seine Menschlichkeit bewahren konnte.

Das Leben im Kloster ist geprägt durch körperliche Züchtigung und psychischer Grausamkeit. Diese wird nicht nur durch die Mönche an den Novizen verübt, sondern auch unter den Jungen selbst.

Die wirklich drakonischen Strafen, die Nadja Losbohm beschreibt, grenzen teilweise schon an Sadismus und haben mich stellenweise innehalten lassen und mich denken lassen:

Los Michael lauf, lauf weit und schnell, soweit Deine Beine Dich tragen können!

Der Glaube von Michael ist aber unerschütterlich und er glaubt immer wieder die warme Stimme Gottes zu hören, die ihm sagt, dass er durchhalten muss und Gott noch Pläne mit ihm hat. Die Pläne lassen sich zum Ende des Buches erahnen, als Michael endlich 18 ist und das Kloster verlassen kann.

Da ich ein wenig in die Jägerin hineingelesen habe, weiß ich, dass es auch stimmt. Alleine der Prolog lässt auf Gottes Weg für Michael schließen, denn immerhin ist er fast 1000 Jahre alt, als er beginnt sein Tagebuch zu schreiben.

Fazit:

Die Autorin hat das Leben der Ära sorgfältig recherchiert und auch das  Kloster und das brutale Miteinanander dieser Zeit kann man sich extrem lebendig vorstellen (auch wenn man es manchmal eigentlich nicht wollte).

Ich für meinen Teil konnte nicht feststellen wo recherchierte Fakten aufhören und ihre Fantasie die nötigen Anpassungen vorgenommen hat, um das Buch so zu schreiben, wie sie es wollte.

Dadurch, dass wir nur eine kleine Spanne von seinem Leben in diesem Buch verfolgen, wurden viele Details niedergeschrieben, die für mich persönlich doch zu kleineren Längen der Geschichte geführt haben.

Gut gefallen haben mir die kleinen Unterbrechungen, bei denen man wieder im Jahr 1980 ist und Michael aus seinem heutigen Leben erzählt und einen Einblick gibt wie er denkt und fühlt.

Nadja Losbohm hat es mit diesem Buch geschafft, dass Michael Iain Ryan eine eigene Stimme bekommt und man noch mehr aus dem Leben des Mannes wissen möchte.Das Leid und Elend, das den Kindern angetan wird und aus vielen “Monstern” macht, ist eigentlich fast unbeschreiblich. Während der gesamten Zeit empfindet man Mitleid für den kleinen Michael und es  lässt eigentlich erst nach, als man am Ende des Buches angekommen ist und die kleine Flamme Hoffnung auflodert und ihm ein neues Leben bereiten wird.Parallel begleiten einen aber auch Gefühle wie Wut, Abscheu und Ekel über die Mönche und andere Novizen im Kloster. Wenn eine Autorin Gefühle im Leser hervorruft, dann hat sie es richtig angestellt.Die Charaktere, die für die Geschichte wichtig sind, sind Facettenreich und man hat ein lebhaftes Bild von ihnen vor Augen.

Sollte jetzt die Frage aufkommen, ob man die Serie “Die Jägerin” vorher gelesen haben muss:
NEIN – denn ich habe das Buch auch ohne Vorkenntnisse gelesen und es funktioniert wunderbar, außer dass man dann doch die Serie lesen möchte – das ist eine kleine Nebenwirkung…

Alles in allem ein wirklich gut geschriebenes Buch, das sich flüssig lesen lässt und Lust auf mehr macht.Von mir gibt es 4,5 von 5 möglichen Sternen.

 

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