Rezension: Harte Landung von Ellen Dunne

(c) Insel Verlag

Taschenbuch: 441 Seiten
Verlag: Insel Verlag
Erscheinungsdatum: 07.08.17
ISBN-10: 3458362886
ISBN-13: 978-3458362883

 

Klappentext:

Patsy Logan, 38, deutsch-irische Kommissarin beim Münchner LKA, ermittelt in einem angesagten Online-Unternehmen. Schnell zieht der Fall immer weitere Kreise, der mediale und interne Druck ist enorm. Und auch Patsys Privatleben gerät zunehmend in Schieflage …
Carolin Höller, Top-Managerin bei der erfolgreichen Online-Tauschbörse Skiller, hat alles: Musterkarriere. Musterehe. Musterkinder. Bis man sie unterhalb ihres Bürofensters tot auffindet. Schnell ist klar: Sie ist nicht freiwillig gesprungen. Immer tiefer gräbt sich Patsy in Carolins Leben und die Strukturen von Skiller, stößt auf Lügengebäude und hohle Fassaden. Erst recht, als man sie ins Skiller-Hauptquartier nach Dublin schickt. Ausgerechnet in die Stadt, um die sie seit dem Selbstmord ihres Vaters einen großen Bogen macht. Kein gutes Omen. Und prompt überschlagen sich die Dinge …
Harte Landung ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe um Hauptkommissarin Patsy Logan. Schlagfertig und eigensinnig liefert die »Frau der Stunde« Ergebnisse – mit klarem Verstand, trockenem Humor und einem Instinkt, der niemandem unheimlicher ist als ihr selbst.

Inhalt:

Patsy Logan ist eine sture und gute Ermittlerin, die es nicht versteht immer die leisen Töne zu treffen. Bei der Beförderung wurde sie “übergangen”, da es ihr manchmal schwerfällt diplomatisch zu sein und damit nicht den Politikern, Stadträten und den höheren Beamten bei der Kripo auf den Schlips zu treten.

Sie ist sarkastisch, hat eine wirklich spitze Zunge und Temperament und ist definitiv nicht perfekt. Das macht sie in meinem Augen zu einer sympathischen Person, denn sie hält nicht hinter dem Berg mit Ihrer Meinung.

Das Bild, das Ellen Dunne von dem großen Online-Konzern Skiller zeichnet, ermöglicht einen Einblick in die Welt dieser Unternehmen. Tolle Kantine, imposantes Foyer, viele Annehmlichkeiten für die Mitarbeiter über Sozialleistungen, zusätzlichen Urlaub und ein “Wertemanifest” in dem man sich wiederfinden kann. Aber ist wirklich alles Gold was glänzt? Spiegelt die schöne Fassade auch die inneren Werte wieder, oder ist es eher: außen Hui – innen Pfui?

Als die Ermittlungen in München ins Stocken geraten und man feststellt, dass alle Fäden in der Zentrale von Skiller in Dublin zusammen laufen, geht ein Amtshilfeersuch an die Polizei in Irland raus und Patsy ist die ideale Person, die in Irland ermitteln soll, immerhin ist sie Halbirin… Dort muss sie sich aber nicht nur mit dem Fall auseinander setzen, sondern sich auch ihren inneren Dämonen stellen.

Ellen Dunne füttert uns in einigen Kapiteln mit Informationen aus der Sicht von Carolin Höller und es ist dabei fast so, als ob man der Toten über die Schulter sieht während der letzten Stunden ihres Lebens.

Wenn man glaubt endlich das Motiv zu haben, bleibt der nagende Zweifel an dem potentiellen Täter.

Fazit:

Das Buch heißt nicht umsonst Kriminalroman, denn genau das finden wir zwischen den Buchdeckeln von Harte Landung. Die Geschichte ist eine ausgewogene Mischung aus der Geschichte von Patsy und dem eigentlichen Fall.

Die Story um den Tod von Carolin Höller ist sauber durchdacht und die Ermittlungen laden den Leser ein mit zurätseln und die Puzzlestücke zusammen zu fügen. Lange bleibt einem als Leser verborgen, wie es zu dem Tod von Carolin Höller gekommen ist. Ellen Dunne schafft es hervorragend durch einige Wendungen die Geschichte spannend zu halten.

Wir schauen hinter die schöne heile Welt von großen Konzernen und erleben wie Mitarbeiter beobachtet, subtil unter Druck gesetzt werden, jedes Kommen und Gehen akribisch festgehalten wird und kein Schritt wirklich unbeobachtet bleibt.

Bereits vor einiger Zeit habe ich von der Autorin “Wie Du mir” und “Für immer mein” gelesen und war damals schon von ihrem Schreibstil und Ihrer Art eine Geschichte zu schreiben begeistert. Sie schafft es genau die richtige Menge an Informationen und Beschreibungen zu geben, die man als Leser braucht, um die Personen zum Leben zu erwecken oder dass einem die Niederlassungen des Konzerns sowohl in München als auch in Dublin wirklich vor Augen stehen.

Da ich in diesem Jahr erst in Dublin war, habe ich mich bei der Beschreibung der Stadt an vielen Orten wiedergefunden und sogar diese riesige Baustelle wieder vor Augen gehabt, die sich durch einen großen Teil von Dublin zieht. Ich war wieder vor Ort: an der Liffey, im Hafen und habe die Gebäude bestaunt, die dort entstanden sind.

Sie hat einen Hang zu “tragischen” Protagonisten, mit keiner leichten Vergangenheit, die aber nicht aufgegeben haben und deren Privatleben auch nicht den Ermittlungen im Weg stehen oder die eigentliche Geschichte beeinträchtigen.

Ellen schafft es, dass Ihre Protagonisten zwar angeschlagen sind, aber nicht K.O. und macht sie damit zu Menschen wie Du und Ich, denen halt das Leben passiert ist.

Vielschichtige Charaktere werden von der Autorin scheinbar mühelos geschaffen und wenn man am Ende des Buches angekommen ist, dann freut man sich auf ein Wiedersehen.

Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung mit Patsy Logan. (Ich habe gehört, dass es wahrscheinlich schon 2018 soweit sein soll.)

Ein neuer Fall, die Entwicklung der Geschichte um Ihren Vater und ich hoffe auf einen weiteren Besuch in Dublin und auf ein Wiedersehen mit Ben, dem Polizisten aus Dublin, der als Verbindungsmann eingesetzt war. (Das liebe Ellen, war übrigens ganz schön fies mit der Mail am Schluss!)

Von mir gibt es für diesen wirklich sauberen und runden Kriminalroman volle 5 Punkte mit einer klaren Lesempfehlung für alle, die einen guten und unblutigen Krimi mit einer tollen Nebengeschichte lesen wollen.

Worauf wartet Ihr noch? Kauft das Buch, es lohnt sich definitv – finde ich.

 

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